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Hier gibt es Neuigkeiten rund um unsere Veranstaltungen und Aktivitäten

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Eine Ruheoase im Alltag und in der Krise

Große Ähnlichkeit mit einem Sessel hat der Nordic Relax Chair zwar - doch er ist viel mehr als nur ein Möbelstück. „Der Relax Chair ist ein Entspannungsangebot, das ganz gezielt in Anspannungssituationen eingesetzt werden kann“, weiß Petra Kaufmann, Bereichsleitung des Wohnhauses „Haus Am Konradsberg“ der HBW Haus für Menschen mit Behinderung GmbH. Im vergangenen Jahr bot sich dem Haus die Chance, den Relax Chair über mehrere Monate zu testen. Danach stand für Petra Kaufmann und ihr Team fest: Das ist genau das richtige Angebot für unsere Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen es sich zum größten Teil um Rentnerinnen und Rentner handelt.

Denn der Entspannungssessel wurde ursprünglich speziell für die Pflege und Menschen mit Demenz entwickelt. Durch individuell wählbare entspannende Musik, taktile Stimulation sowie sanfte Schaukelbewegungen bietet er eine einzigartige und beruhigende Atmosphäre. Durch die öffentliche Hand refinanziert werden solche Anschaffungen aber nicht. Dank einer Förderung der Sparkasse Gummersbach können die Bewohner des „Hauses Am Konradsberg“ dennoch in einem Relax Chair entspannen und zur Ruhe kommen. Nun statteten Dirk Steinbach, Vorstandsmitglied der Sparkasse Gummersbach, Gereon Schulz, Leiter der Unternehmenskundenabteilung, und Pressesprecher Wolfgang Abegg dem Haus einen Besuch ab, um sich vor Ort von der Funktionsweise des Stuhls zu überzeugen.

Empfangen wurden sie von Jens Kämper, Geschäftsleiter der HBW GmbH, Gesamtleiter Andreas Lamsfuß und Petra Kaufmann, die von den gesammelten Erfahrungen mit dem Relax Chair berichten konnte: „Der Stuhl hat sich im Alltag des Hauses sehr bewährt und ist ein gern genutztes Entspannungsangebot, das die Lebensqualität deutlich erhöht. In der Corona-Krise, die noch niemand hat kommen sehen, als wir den Stuhl anschafften, hat er sich dann als wahres Geschenk erwiesen.“

Während der Corona-Krise wurde die Welt der Bewohner durch das Wegbrechen der gewohnten Tagesstruktur und zahlreicher Angebote sowie das Besuchsverbot auf den Kopf gestellt. So kam es an einem Tag bei einer gehörlosen Dame zu einer emotionalen Krise. Durch ihre Gehörlosigkeit war das Erklären der komplizierten Zusammenhänge besonders erschwert. Schon nach kurzer Zeit im Entspannungssesel beruhigte sie sich jedoch und konnte sich sichtlich entspannen. In den nächsten Tagen bot der Stuhl ihr immer wieder die Möglichkeit der Spannungsreduktion und entlastete diese schwierige Phase sehr, berichtete Kaufmann.

Beeindruckt von diesem Bericht, nahmen sich die Sparkassen-Vertreter dann noch viel Zeit, um das HBW und seine verschiedenen Wohnangebote für Menschen mit einer geistigen und/oder mehrfachen Behinderung kennenzulernen. Sie verabschiedeten sich schließlich mit der Gewissheit, den Bewohnern des Hauses ein Entspannungsangebot ermöglicht zu haben, das ihre Lebensqualität deutlich erhöht – in der Krise und im Alltag.

Zu Besuch in der Sternwarte

Einen Ausflug ins Weltall unternahmen gestern drei Senioren der Tagbetreuung des HBW-Wohnhauses „Haus am Konradsberg“ – und das ganz ohne Raumschiff. Gemeinsam mit Holger Neuburg ging es mit dem Auto ins kleine Waldbröler Dorf Schnörringen, wo eine neue Sternwarte entsteht. Hier erwartete Dr. Klaus Vollmann die vier Herren, der sie zu einer Besichtigung des Observatoriums des Initiativkreises „Schnörringen Telescope Science Institute“ eingeladen hatte. Weil es sich dabei nicht um eine für den Publikumsverkehr geöffnete Volkssternwarte handelt, sondern um ein Schüler- und Ausbildungsobservatorium, freute sich die Gruppe ganz besonders über die persönliche Einladung des Atmosphärenphysikers und Hobby-Astronomen. 

Als erstes konnten die Besucher die kleineren Schülerteleskope im Außenbereich bestaunen. Am bewölkten Himmel gab es tagsüber leider nicht viel zu sehen, doch das konnte Dr. Vollmann durch faszinierende Fotos, die mit den Teleskopen eingefangen wurden, leicht wettmachen. Denn zum Glück der Besucher liefert die Sternwarte seit wenigen Wochen die ersten Bilder. So konnte der Komet Neowise und die „Säulen der Schöpfung“, ein rund 7000 Lichtjahre entfernte Materienwolke, in der neue Sterne entstehen, bestaunt werden. Zum Staunen brachte die Besucher auch die Tatsache, dass das Teleskop die Formation über fünf Stunden in den Blick nehmen musste, um scharfe Bilder zu erhalten, und die Spiegelteleskope exakt parallel zur Erdachse ausgerichtet wurden.

Dann ging es in die Teleskopkuppel von sechs Metern Durchmesser, wo das Herzstück des Observatoriums auf die Besucher wartete: ein Spiegelteleskop mit einer Brennweite von zehn Metern. Noch ist das Teleskop nicht in Betrieb, doch eines der größten astronomischen Teleskope Deutschlands einmal aus der Nähe sehen zu können, war etwas ganz Besonderes.

Und ebenso spannend wie alles, was die Besucher über das Weltall erfuhren, waren die Geschichten, die Dr. Vollmann rund um die Entstehung der Sternwarte erzählen konnten. Denn angefangen hatte alles mit einer viel kleineren Beobachtungsstation, die in einer Gartenhütte untergebracht war. Als die Uni München 2008 ihr Teleskop versteigerte, kauften die begeisterten Hobby-Astronomen Dr. Klaus Vollmann und Dr. Thomas Eversberg es mit privaten Mitteln. All die Erzählungen darüber, wie das Teleskop und die Kuppel nach Schnörringen kamen, bildeten dabei noch mal einen Kosmos für sich. Mit vielen neuen Eindrücken – von der Erde und dem Weltall – ging es schließlich zurück ins Haus Am Konradsberg.

Ein Garten für alle Sinne

Hübsch anzusehen ist der Staudengarten des HBW-Wohnhauses „Haus Am Konradsberg“ nach wie vor. Doch die körperliche Verfassung der Rentnerinnen und Rentner, die tagsüber im Haus betreut werden, erlaubt es ihnen leider nicht mehr, den Garten zu besuchen und gemeinsame Gartenarbeit zu verrichten. Dies liegt nicht zuletzt an dem unebenen Untergrund aus Rindenmulch. Zu groß ist das Risiko für einen Sturz, und das Betreten des Gartens mit einem Rollstuhl erst gar nicht möglich. Um zu erreichen, dass der Gartenbereich wieder gerne genutzt wird, hat sich das Team der Tagbetreuung zu einer Umgestaltung entschlossen.

Aus dem Staudengarten wird schon bald ein Duftgarten werden, in dem Kräuter und Pflanzen zum Riechen, Fühlen, Sehen und Schmecken einladen. Gepflasterte und somit barrierefreie Wege werden zu einem sechseckigen Hochbeet führen. So können die Seniorinnen und Senioren wieder aktiv an der Gartenarbeit teilnehmen. Sitzmöglichkeiten werden zum Verweilen und Erleben des Gartens einladen. Vor allem aber werden wohlriechende Pflanzen und Kräuter im Garten Einzug erhalten: Narzissen, Veilchen und Hyazinthen im Frühling, Rosen und Beerensträucher im Sommer, Schneeball und Schattenblume im Winter.


Vor allem aber werden Kräuter wie Lavendel, Salbei, Minze, Thymian und Rosmarin im Garten wachsen. Diese werden von den Mitarbeitenden und Bewohner*innen gemeinsam geerntet und im hauseigenen Backes getrocknet und haltbar gemacht. „Dufterlebnisse“ sind so auch im Winter möglich und laden dazu ein, sich über die vergangene Gartensaison auszutauschen und Pläne für das neue Gartenjahr zu schmieden. So bietet der Garten das ganze Jahr über neue Sinneseindrücke und eine Beschäftigungsmöglichkeit für die Seniorinnen und Senioren. Das fördert das physische und psychische Wohlbefinden – und steigert die Lebensqualität.
 

HBW-Jubiläum: Seit 40 Jahren systemrelevant

Es hätte so viel zu feiern gegeben im Jubiläumsjahr der HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH: In 40 Jahren wurden neun Wohnhäuser im Oberbergischen Kreis eröffnet, das Angebot der betreuten Wohnformen installiert und ausgebaut, Rentnerbetreuungen für ältere Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen und so vieles mehr. Auch in der Gesellschaft hat sich viel verändert. Als das erste HBW-Haus seine Türen öffnete, sprach man noch von „Heimen“ und „Behinderten“. Dass dies heute nicht mehr so ist – auch ein Grund zum Feiern! Doch dann kam Corona und das so lange geplante Fest musste auf das nächste Jahr verschoben werden. Ein Rückblick lohnt sich dennoch.

Als sich Eltern von Kindern mit Behinderung 1963 zum „Verein zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder Oberbergischer Kreis e.V.“ zusammenschlossen, gab es in der Region weder Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Handicap noch eine Schulpflicht für Kinder mit Behinderung. Damit wollten sich die Eltern nicht zufriedengeben. Dem Verein gelang es, 1965 eine Tagesbildungsstätte für junge Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung in Gummersbach-Derschlag zu eröffnen. 1970, nachdem die Schulpflicht auch für Menschen mit Behinderung eingeführt wurde, ging die Trägerschaft an den Oberbergischen Kreis. Damit legte der Elternverein die Hände aber nicht in den Schoss, sondern dachte weiter: Was kommt nach der Schule? Wo sollen unsere Kinder arbeiten und leben, wenn wir zu alt sind, um sie zu betreuen?

Durch die Gründung der BWO Behinderten Werkstätten Oberberg GmbH und HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH (damals: Wohnheim GmbH) schafften die engagierten Eltern fehlende Strukturen erneut selbst. 1980 war es dann soweit: Das „Haus Am Konradsberg“ wurde eröffnet. 36 Bewohner und der „Heimleiter“ Ernst Süßkraut zogen ein. Sein Nachfolger, Jürgen Grafflage, wurde 1999 zum neuen Geschäftsführer und Gesamtleiter des HBW neben Dietmar Groß bestellt und übte diese Tätigkeit bis 2012 aus. Dietmar Groß war von 1986 bis 2018 Geschäftsführer des HBW. Beide bestimmten dessen rasante Entwicklung maßgeblich mit. 2011 wurde das Haus umfassend saniert – und nahm damit eine Vorreiterrolle im Kreis ein. Denn es war das erste Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, in dem es keine Doppelzimmer mehr gab und in dem eine großflächige Tagesstruktur für verrentete Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten wurde.


Heute leben im „Haus Am Konradsberg“ 36 zumeist ältere Menschen mit einer kognitiven und teilweise komplexen Behinderung. Auch das wäre in den Anfangsjahren nicht möglich gewesen. Der Gesetzgeber sah vor, dass Wohnplätze nur Menschen zur Verfügung stehen, die auch in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten. Mit Eintritt der Rente hatten sie auch die Wohneinrichtung zu verlassen. „Neben dem Arbeitsplatz auch noch das Zuhause zu verlieren – das ist eine Katastrophe“, erinnert sich Dietmar Groß, dass die Behindertenverbände Sturm liefen gegen dieses Gesetz. Eine Änderung der Rechtslage ebnete schließlich den Weg zum Konzept des „Lebenslangen Wohnens“, welches das HBW heute verfolgt. Längst gibt es eine Tagbetreuung für Rentner, die nicht nur im „Haus Am Konradsberg“, sondern auch in anderen Häusern angeboten wird.


Insgesamt neun Häuser mit verschiedenen Wohn- und Betreuungskonzepten betreibt das HBW heute in Wiehl, Waldbröl und Nümbrecht. 1998 kamen die Betreuten Wohnformen hinzu. 39 Bezugsbetreuer ermöglichen über 90 Menschen mit einer geistigen Behinderung heute das Leben in einer eigenen Wohnung oder kleinen Wohngemeinschaft. „Die Klienten lieben ihre Eigenständigkeit“, weiß Jens Kämper, heutiger Geschäftsführer des HBW. Zuletzt erweiterte der Wohnanbieter sein Angebot mit der Eröffnung des Kehlinghauses und Haus Mühlenau um zwei Häuser, die sich auf die intensive-ambulante Betreuung spezialisiert haben.

Doch trotz stetigem Wachstums muss Klaus Pütz, Vorsitzender des Vereins zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder Oberbergischer Kreis e.V., die Frage, ob das derzeitige Wohnangebot bedarfsgerecht ist, verneinen. „Gerade für Menschen mit hohem sozialen Integrationsbedarf oder hohem Pflegebedarf haben wir kaum Reserven. Der Gesetzgeber schließt die Errichtung von neuen stationären Wohnplätze aus, die ambulanten Wohnformen sind für diesen Personenkreis aber nicht geeignet“, kritisiert er. „Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf, doch legt man dem Kostenträger entsprechende Konzepte vor, dauert es leider manchmal sehr lange, bis man mit der Umsetzung beginnen kann“, ergänzt Andreas Lamsfuß, Gesamtleiter des HBW.


Kleine Wohnformen für Menschen mit hohem Pflegebedarf und/oder hohem sozialen Integrationsbedarf zu schaffen, hat sich das HBW darum zu einer Zukunftsaufgabe gemacht. Auch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, das nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der Eingliederungshilfe bedeutet, wird das HBW weiter auf Trab halten. Für die Zukunft wünscht man sich, dass sich bereits im Sozialraum vorhandene Angebote für Menschen mit Behinderung öffnen, so wie es der Fußballverein „BSV Bielstein“ getan hat, als er eine Inklusionsmannschaft ins Leben rief.


Die letzten Monate waren im HBW aber vor allem von einem Thema geprägt: Corona. Fast täglich mussten neue Verordnungen umgesetzt werden, die Wohnhäuser waren abgeschottet und das Leben der Bewohner massiv eingeschränkt. Die BWO, in der viele Bewohner des HBW arbeiten, war geschlossen und die Menschen mussten rund um die Uhr in den Häusern betreut werden. „Das war nur möglich, weil Mitarbeiter der BWO bei der Betreuung unterstützt haben und weil alle zusammenhielten“, so Geschäftsführer Kämper. Der Krankenstand unter den Mitarbeitern war noch nie so gering wie in dieser Zeit. Keiner nutzte es aus, dass man sich einfach telefonisch krankschreiben lassen konnte“, lobt Andreas Lamsfuß.


Als „Schlag ins Gesicht“ empfindet er darum, dass die von Politikern medienwirksam angekündigte Corona-Prämie nur an Mitarbeiter der Altenpflege gezahlt wird. „Dass die Eingliederungshilfe und Krankenpflege leer ausgehen, ist ein Skandal und eine schlimme Ungleichbehandlung“, urteilt er und Jens Kämper ergänzt: „Bis heute hat es keinen Corona-Fall bei einem Bewohner gegeben. Das ist auch der Umsicht der Mitarbeiter zu verdanken und dafür verdienen sie Anerkennung.“ Das Jubiläumsjahr 2020 des HBW: Es ist also vor allem ein Ausnahmejahr, das in Erinnerung bleiben wird - wenn auch anders als gedacht. Und es ist ein Jahr, das zeigt, dass hier in 40 Jahren eine Einrichtung gewachsen ist, die Stürme überstehen kann, wenn sie es denn muss. Für das nächste Jahr wünscht man sich trotzdem vor allem eins: Den runden Geburtstag nachträglich mit einem schönen Fest feiern zu können.

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