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HBW-Jubiläum: Seit 40 Jahren systemrelevant

Es hätte so viel zu feiern gegeben im Jubiläumsjahr der HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH: In 40 Jahren wurden neun Wohnhäuser im Oberbergischen Kreis eröffnet, das Angebot der betreuten Wohnformen installiert und ausgebaut, Rentnerbetreuungen für ältere Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen und so vieles mehr. Auch in der Gesellschaft hat sich viel verändert. Als das erste HBW-Haus seine Türen öffnete, sprach man noch von „Heimen“ und „Behinderten“. Dass dies heute nicht mehr so ist – auch ein Grund zum Feiern! Doch dann kam Corona und das so lange geplante Fest musste auf das nächste Jahr verschoben werden. Ein Rückblick lohnt sich dennoch.

Als sich Eltern von Kindern mit Behinderung 1963 zum „Verein zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder Oberbergischer Kreis e.V.“ zusammenschlossen, gab es in der Region weder Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Handicap noch eine Schulpflicht für Kinder mit Behinderung. Damit wollten sich die Eltern nicht zufriedengeben. Dem Verein gelang es, 1965 eine Tagesbildungsstätte für junge Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung in Gummersbach-Derschlag zu eröffnen. 1970, nachdem die Schulpflicht auch für Menschen mit Behinderung eingeführt wurde, ging die Trägerschaft an den Oberbergischen Kreis. Damit legte der Elternverein die Hände aber nicht in den Schoss, sondern dachte weiter: Was kommt nach der Schule? Wo sollen unsere Kinder arbeiten und leben, wenn wir zu alt sind, um sie zu betreuen?

Durch die Gründung der BWO Behinderten Werkstätten Oberberg GmbH und HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH (damals: Wohnheim GmbH) schafften die engagierten Eltern fehlende Strukturen erneut selbst. 1980 war es dann soweit: Das „Haus Am Konradsberg“ wurde eröffnet. 36 Bewohner und der „Heimleiter“ Ernst Süßkraut zogen ein. Sein Nachfolger, Jürgen Grafflage, wurde 1999 zum neuen Geschäftsführer und Gesamtleiter des HBW neben Dietmar Groß bestellt und übte diese Tätigkeit bis 2012 aus. Dietmar Groß war von 1986 bis 2018 Geschäftsführer des HBW. Beide bestimmten dessen rasante Entwicklung maßgeblich mit. 2011 wurde das Haus umfassend saniert – und nahm damit eine Vorreiterrolle im Kreis ein. Denn es war das erste Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, in dem es keine Doppelzimmer mehr gab und in dem eine großflächige Tagesstruktur für verrentete Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten wurde.


Heute leben im „Haus Am Konradsberg“ 36 zumeist ältere Menschen mit einer kognitiven und teilweise komplexen Behinderung. Auch das wäre in den Anfangsjahren nicht möglich gewesen. Der Gesetzgeber sah vor, dass Wohnplätze nur Menschen zur Verfügung stehen, die auch in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten. Mit Eintritt der Rente hatten sie auch die Wohneinrichtung zu verlassen. „Neben dem Arbeitsplatz auch noch das Zuhause zu verlieren – das ist eine Katastrophe“, erinnert sich Dietmar Groß, dass die Behindertenverbände Sturm liefen gegen dieses Gesetz. Eine Änderung der Rechtslage ebnete schließlich den Weg zum Konzept des „Lebenslangen Wohnens“, welches das HBW heute verfolgt. Längst gibt es eine Tagbetreuung für Rentner, die nicht nur im „Haus Am Konradsberg“, sondern auch in anderen Häusern angeboten wird.


Insgesamt neun Häuser mit verschiedenen Wohn- und Betreuungskonzepten betreibt das HBW heute in Wiehl, Waldbröl und Nümbrecht. 1998 kamen die Betreuten Wohnformen hinzu. 39 Bezugsbetreuer ermöglichen über 90 Menschen mit einer geistigen Behinderung heute das Leben in einer eigenen Wohnung oder kleinen Wohngemeinschaft. „Die Klienten lieben ihre Eigenständigkeit“, weiß Jens Kämper, heutiger Geschäftsführer des HBW. Zuletzt erweiterte der Wohnanbieter sein Angebot mit der Eröffnung des Kehlinghauses und Haus Mühlenau um zwei Häuser, die sich auf die intensive-ambulante Betreuung spezialisiert haben.

Doch trotz stetigem Wachstums muss Klaus Pütz, Vorsitzender des Vereins zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder Oberbergischer Kreis e.V., die Frage, ob das derzeitige Wohnangebot bedarfsgerecht ist, verneinen. „Gerade für Menschen mit hohem sozialen Integrationsbedarf oder hohem Pflegebedarf haben wir kaum Reserven. Der Gesetzgeber schließt die Errichtung von neuen stationären Wohnplätze aus, die ambulanten Wohnformen sind für diesen Personenkreis aber nicht geeignet“, kritisiert er. „Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf, doch legt man dem Kostenträger entsprechende Konzepte vor, dauert es leider manchmal sehr lange, bis man mit der Umsetzung beginnen kann“, ergänzt Andreas Lamsfuß, Gesamtleiter des HBW.


Kleine Wohnformen für Menschen mit hohem Pflegebedarf und/oder hohem sozialen Integrationsbedarf zu schaffen, hat sich das HBW darum zu einer Zukunftsaufgabe gemacht. Auch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, das nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der Eingliederungshilfe bedeutet, wird das HBW weiter auf Trab halten. Für die Zukunft wünscht man sich, dass sich bereits im Sozialraum vorhandene Angebote für Menschen mit Behinderung öffnen, so wie es der Fußballverein „BSV Bielstein“ getan hat, als er eine Inklusionsmannschaft ins Leben rief.


Die letzten Monate waren im HBW aber vor allem von einem Thema geprägt: Corona. Fast täglich mussten neue Verordnungen umgesetzt werden, die Wohnhäuser waren abgeschottet und das Leben der Bewohner massiv eingeschränkt. Die BWO, in der viele Bewohner des HBW arbeiten, war geschlossen und die Menschen mussten rund um die Uhr in den Häusern betreut werden. „Das war nur möglich, weil Mitarbeiter der BWO bei der Betreuung unterstützt haben und weil alle zusammenhielten“, so Geschäftsführer Kämper. Der Krankenstand unter den Mitarbeitern war noch nie so gering wie in dieser Zeit. Keiner nutzte es aus, dass man sich einfach telefonisch krankschreiben lassen konnte“, lobt Andreas Lamsfuß.


Als „Schlag ins Gesicht“ empfindet er darum, dass die von Politikern medienwirksam angekündigte Corona-Prämie nur an Mitarbeiter der Altenpflege gezahlt wird. „Dass die Eingliederungshilfe und Krankenpflege leer ausgehen, ist ein Skandal und eine schlimme Ungleichbehandlung“, urteilt er und Jens Kämper ergänzt: „Bis heute hat es keinen Corona-Fall bei einem Bewohner gegeben. Das ist auch der Umsicht der Mitarbeiter zu verdanken und dafür verdienen sie Anerkennung.“ Das Jubiläumsjahr 2020 des HBW: Es ist also vor allem ein Ausnahmejahr, das in Erinnerung bleiben wird - wenn auch anders als gedacht. Und es ist ein Jahr, das zeigt, dass hier in 40 Jahren eine Einrichtung gewachsen ist, die Stürme überstehen kann, wenn sie es denn muss. Für das nächste Jahr wünscht man sich trotzdem vor allem eins: Den runden Geburtstag nachträglich mit einem schönen Fest feiern zu können.

Das HBW begrüßt sechs neue Azubis

Ab heute gehören Tiana Kerkmann, Nina Gaspers, Carina Blum, Jasmin Korsten, Dominik Hublin und Kilian Zessinger zur HBW-Familie. Die sechs jungen Leute starteten heute ihre dreijährige Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger*in bei der HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH. Begrüßt wurden sie am Morgen von Geschäftsführer Jens Kämper. Er informierte über die nun schon 40-jährige Geschichte des HBW, stellte wichtige Ansprechpartner vor und hieß die neuen Kollegen herzlich willkommen.


(Auf dem Foto v. li.: Dominik Hublin, HBW-Geschäftsführer Jens Kämper, Kilian Zessinger, Tiana Kerkmann, Nina Gaspers, Carina Blum und Jasmin Korsten.)

Aktuelle Corona-Information: Besuchsregelungen wurden gelockert

Seit Juli 2020 gelten die nachfolgenden Besuchsregelungen

  • Jede Bewohnerin bzw. jeder Bewohner kann ab dem 1. Juli 2020 täglich Besuch erhalten. Diese sind nach Absprache möglich und unterliegen keiner zeitlichen Begrenzung.
  • Die Besuche sind auf je zwei Besuche pro Tag und Bewohner von maximal zwei Personen, im Außenbereich 4 Personen beschränkt.
  • Die Besucher werden durch Aushang und mündlich über die aktuellen Hygienevorgaben (Händedesinfektion, Nieshygiene, Abstandsgebot usw.) informiert und zur Einhaltung aufgefordert.
  • In den Wohnbereichen wird ein Besuchsregister geführt, in dem der Name des Besuchers, das Datum und die Uhrzeiten des Besuchs sowie der besuchte Bewohner erfasst werden. Es findet eine Befragung bez. Symptomen statt. Für Besucher mit Symptomen, die auf eine Corona-Infektion hindeuten könnten, gilt weiterhin das Betretungsverbot in unseren Wohnstätten.
  • Die Besucherinnen und Besucher haben sich vor dem Besuchskontakt die Hände zu desinfizieren und/ oder zu waschen.
  • Die Besucherinnen und Besucher haben einen grundsätzlichen Abstand von mindestens 1,5 Metern zur besuchten Person einzuhalten. Sofern während des Besuchs Bewohner und Besucher eine Mund-Nase-Bedeckung nutzen und vorher sowie hinterher bei den Besuchern und den Bewohnern eine gründliche Handdesinfektion erfolgt ist, ist die Einhaltung des Mindestabstands nicht erforderlich. In diesem Fall sind auch körperliche Berührungen zulässig.
Seit dem 1. Juli 2020 gilt außerdem: Besuche auf den Bewohnerzimmern sind möglich.
 
  • Besuche sollen nicht in den allgemeinen Gruppenräumen stattfinden.
  • Eine Vertraulichkeit des Besuchs ist zu gewährleisten. Während des Besuchs tragen die Bewohner und Besucher die Verantwortung für die Einhaltung des Infektionsschutzes im Zimmer.
  • Erfolgt der Besuch in einem gesonderten Besucherbereich, bei dem ein infektionsgefährdender Kontakt zwischen besuchenden und besuchten Personen baulich oder durch sonstige Maßnahmen (z.B. Schutzfenster) unterbunden ist, kann auf weitere additive Schutzvorkehrungen (z.B. Mund-Nase-Schutz und Mindestabstand) verzichtet werden. Während des Aufenthalts oder des Durchquerens öffentlicher Bereiche (z.B. Flure, Eingangsbereiche) ist ein Mund-Nasenschutz zu tragen.
Wenn und soweit in der Einrichtung bei Bewohnern oder Beschäftigten eine COVID-19-Infektion festgestellt wurde, sind Besuche ausgeschlossen.

Zugangsrechte weiterer Personen
 

Seelsorgern sowie Dienstleistern zur medizinisch-pflegerischen Versorgung und zur weiteren Grundversorgung (Friseure, Fußpflege) sowie Ehrenamtlern, die innerhalb der Einrichtung Teilhabeangebote durchführen, ist unter geeigneten Hygienevorgaben ein Zugang zu den Einrichtungen zu ermöglichen. Zuzulassen sind ferner Besuche, die aus Rechtsgründen (insbesondere zwingende Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer rechtlichen Betreuung) erforderlich sind.


Verlassen der Einrichtung
 

Bewohner aller Wohnformen der Eingliederungs- und Sozialhilfe können die Einrichtung bei Beachtung der allgemeinen Infektionsschutzstandards ohne Einschränkung verlassen.
 

Ausbildung geschafft! Das HBW gratuliert

Allen Grund stolz auf sich zu sein haben die frischgebackenen Heilerziehungspfleger*innen Michelle Sohn, Fabienne Schmidt, Clara Schenk, Saskia Ossig und Leif Wegermann. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung haben sie ihr Zeugnis nun in der Tasche. „Drei Jahre lang standet ihr mit einem Bein in der Schule, mit dem anderen mitten in der Praxis – das ist nicht einfach!“, honorierte Andreas Lamsfuß, Gesamtleiter der HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH, die Leistung seiner jungen Kollegen. Und auch das HBW, in dem die fünf jungen Leute ihre Ausbildung absolvierten, hat Grund zur Freude, bleiben doch vier der fünf Absolventen ihrer Ausbildungsstätte treu und verstärken ab sofort das interdisziplinäre Betreuungsteam des HBW.

Michelle Sohn absolvierte ihre Ausbildung im HBW-Wohnhaus „Haus am Park“ in Waldbröl und wechselt nun ins „Haus Am Konradsberg“. Hier erlernte auch Fabienne Schmidt ihren Beruf und wird ihn zukünftig weiterhin hier ausüben. Clara Schenk arbeitet nach ihrer Ausbildung weiter im „Haus Nümbrecht“ und Saskia Ossig bleibt dem Haus „Arche Noah“ auch nach bestandener Prüfung erhalten. Leif Wegermann schließt eine weitere Ausbildung an.


Die Abschlussfeier war für die ehemaligen HBW-Azubis ein unverhofftes Heimspiel. Denn mit dem BZG Gähnfeld konnte das HBW einen Saal zur Verfügung stellen, der groß genug ist, um Corona-bedingte Sicherheitsabstände einzuhalten. Ausrichter der Feierlichkeiten für den diesjährigen Abschlussjahrgang war die Fachschule IWK Waldbröl, in der die angehenden Heilerziehungspfleger den schulischen Teil ihrer Ausbildung absolvierten.

Auch in den kommenden Jahren bildet das HBW aus. Bewerbungen für den Ausbildungsstart 2021 werden gerne entgegengenommen.
 

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